Wie entwickeln wir DIE LINKE. zum Sprachrohr der Klimabewegung?

 von Christoph Podstawa (Landesgeschäftsführer DIE LINKE. Niedersachsen)

Quelle: Tarantel Nr. 84, März I/2019 (Zeitschrift der Ökologischen Plattform)

Die gesellschaftlichen Widersprüche nehmen enorm zu. Lösungen werden nicht nur in Parlamenten, sondern vor allem in linken sozialen Bewegungen diskutiert. Mit politischen Aktionen erzeugen Bewegungen öffentliche Aufmerksamkeit und verleihen Forderungen Nachdruck. Dies setzt nicht nur Regierende und Konzerne unter Druck, sondern auch uns als linke und sich als bewegungsnah verstehende Partei. Nutzen wir den Druck, um DIE LINKE inhaltlich und strategisch weiter – zu entwickeln. Davon würden beide Seiten – DIE LINKE als Partei und die Klimabewegung – profitieren. Die Klimabewegung sorgt gerade für Furore. Zwar sind ihre Positionen weder einheitlich, noch endgültig ausgearbeitet, Klimagerechtigkeit aber ist wichtig genug, um inhaltliche Unterschiede zu überwinden. Das stärkt den Kampf, dem wir uns anschließen sollten. Die Klimabewegung wächst rasant, wird politischer und gewinnt zunehmend an Einfluss. Auch deswegen ist sie zunehmender Repression ausgesetzt, ihre Forderungen stellen Gerechtigkeit in den Vordergrund, was auch Profite einflussreicher Konzerne gefährdet. Aber genau das macht sie zu einem natürlichen Bündnispartner. Das ist leider noch nicht überall angekommen. Zwei unterschiedliche Ereignisse belegen dies: In NRW wurde nach einer Besetzung eines Kohlebaggers sofort das neue Polizeigesetz – inzwischen von vielen Aktiven zu „Lex Hambi“ umgetauft – angewendet und die Aktiven wurden aufgrund ihrer Personalverweigerung mehrere Tage in Gewahrsam gehalten. Die LINKE in NRW solidarisierte sich umgehend und startete eine tolle Kampagne. Anders in Brandenburg. Dort besetzen einige Tage zuvor Aktive von Ende Gelände, der IL (Interventionistische Linke) und Robin Wood – ich bin im Bundesvorstand von Robin Wood – einen Kohlebagger und verweigerten die Abgabe ihrer Personalien. Anschließend wurden sie einige Tage in Gewahrsam genommen, drei Besetzer*innen befanden sich am 23.2.2019 immer noch in Gewahrsam. Anstatt sich zu solidarisieren, wurde die Aktion durch DIE LINKE Brandenburg als destruktiv kritisiert. Kein hörbares Wort der Entrüstung über das Vorgehen der Polizei! Das hat unserem Ruf in der Klimabewegung enorm geschadet. Nach einer Aktion vor dem Büro der LINKEN Brandenburg ruderten die Genoss*innen zurück und relativierten ihre Position. Nichtsdestotrotz zeigt es, wie weit wir noch davon entfernt sind, von der Klimabewegung als verlässliche bzw. IHRE parlamentarische Stimme wahrgenommen zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir unser klima- und grundrechtspolitisches Profil schärfen und sollten einige prominente Positionen der Klimabewegung in unser Programm übernehmen. Das „Lex Hambi“ aus NRW – speziell die Möglichkeit Menschen aufgrund von sogenannter Gefahrenabwehr (!) mehrere Tage in Gewahrsam zu behalten – zeigt, dass sich die Polizeiverschärfungen gegen politisch aktive und unbequeme Menschen richtet. Die Sicherheitsorgane sind mit weitreichenden juristischen Mitteln ausgerüstet. Aus meiner Sicht müssen wir folgende Positionen übernehmen bzw. innerhalb der Partei stärken, um gemeinsam mit außerparlamentarischen Initiativen die Repression und Kriminalisierung zurückzudrängen:

Solidarität vor inhaltlichen und strategischen Differenzen

Bei Repression gegen Aktivist*innen der Klimabewegung – wie auch bei Repression gegen anti faschistische Initiativen und Proteste, gegen antimilitärische Bündnisse, usw. – sind wir bedingungslos solidarisch. Inhaltliche und strategische Unterschiede werden akzeptiert und in entsprechenden Rahmen diskutiert. Sie stehen Solidarität nie im Wege!

Ablehnung jeglicher Erweiterung polizeilicher Befugnisse

Wir lehnen jegliche Erweiterung polizeilicher Befugnisse als Strategie der Protestbekämpfung ab. Mit den aktuellen Polizeigesetzen wird die Sicherung des Status quo zunehmend militarisiert. Sie sind ein aggressiver staatlicher Angriff auf unsere Demokratie und Grundrechte. Wir begrüßen, dass DIE LINKE in Thüringen bisher keine Polizeiverschärfungen vor genommen und nach dem NSU-Skandal als bisher einziges Bundesland auf die Nutzung von V-Leuten verzichtet. Wir fordern DIE LINKE in Brandenburg auf, zumindest Verschärfungen ihrer Polizeigesetze zu verhindern.

Polizei und Justiz sind bei Protestbekämpfung auffällig aktiv

Eine pauschale personelle, finanzielle und materielle Aufstockung der Polizei und Justiz lehnen wir ab. Zu sehr agierten beide als Instrument zur Protestbekämpfung, zu sehr werden rechtsextreme Netzwerke und Einstellungen innerhalb der Polizei relativiert und zu sehr leiden politisch Aktive unter Repression durch Polizei und Justiz. Wieso schaffen es Polizei und Justiz, trotz angeblichen Personalmangels so stark auf die Bekämpfung der Klimabewegung zu fokussieren? Hier braucht es eine Analyse und Umstrukturierung der Sicherheitsbehörden und Justiz. Und eine Stelle, die bei Bedarf neutral gegen die Polizei ermittelt. Wir wollen eine Polizei und eine Justiz, die die Sicherheit der Menschen garantiert, Prävention in den Vordergrund stellt, gute Arbeitsbedingungen bietet und deren Auf treten und Aufrüstung verhältnismäßig sind. Wir stellen uns gegen jede Militarisierung der Polizei und Instrumentalisierung der Justiz. Solidarität mit der Klimabewegung fällt leichter, wenn inhaltliche Anknüpfungspunkte und Überschneidungen vorliegen. Die Klimabewegung ist bunt, doch immer mehr Akteure entwickeln ein antikapitalistisches Profil. Wir sollten hier ansetzen und in solidarischen Austausch kommen. Wenn wir, DIE LINKE, die Partei des sozial-ökologischen Umbaus werden wollen, sollten wir die Parolen der Klimabewegung ernst nehmen und in unser Wahlprogramm übersetzen – und umgekehrt, dafür sorgen, dass die Klimabewegung soziale Aspekte in ihre Positionen integriert und sozialistische Position einnimmt.

Sofortiger Kohleausstieg ist nicht nur notwendig, sondern wäre nur ein erster Schritt

Laut Kohlekommission soll in Deutschland bis 2038 Kohle verstromt werden dürfen. Dabei ist Deutschland Exporteur von Strom. Die Kohlekommission sichert den Konzernen ihre Profite. Wenn wir die ohnehin wenig ambitionierten Pariser Klimaziele erreichen wollen, braucht es nicht nur die CO2 -Einsparungen durch einen sofortigen Kohleausstieg, sondern sofortige CO2 -Einsparungen in weiteren Bereichen wie Verkehr, Landwirtschaft usw. Die aktuelle Klimapolitik ist ein Verbrechen an zukünftigen Generationen, die die Folgen ausbaden bzw. aushalten müssen. Zudem werden andere Aspekte wie Artensterben aus geblendet. Um die Folgen der aktuellen (Wirtschafts-) Politik einzudämmen, brauchen wir einen breiten gesellschaftlichen Umbau.

 

Nennen wir das Kind beim Namen: Es braucht eine sozial-ökologische Revolution

Um notwendige Klimaziele zu erreichen, das Arten – sterben zu beenden und um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen, müssen Gesellschaft und Wirtschaft vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Die Wirtschaft hat die Versorgung Aller und nicht die Profite Weniger zu garantieren. Es braucht ein neues Verständnis von Wohlstand. Ein kleiner, aber wachsender Teil der Weltbevölkerung konsumiert auf Kosten anderer und der Zukunft. Das führt jedoch nicht zwangsläufig zu Glück und Wohlbefinden. Wohlstand müssen wir neu verstehen – mehr Freizeit, mehr Selbstverwirklichung, mehr Gesundheit, eine hervorragende öffentliche Daseinsvorsorge usw. Haben wir den Mut zu diskutieren, wo unsere Wirtschaft – oder anders gesagt: wo die Ausbeutung der Natur und von Menschenschrumpfen muss und wie wir zukunftsfähigen Wohlstand für ALLE schaffen.

Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten

Arbeitsplätze sind das bekannteste Argument zur Verteidigung des Status quo. Die Zahlen werden je nach politischer Lage hochgeschraubt. Wie genau diese entstehen, wird selten hinterfragt. Zudem wird zu wenig diskutiert, wie viele Arbeitsplätze und wie viel Wohlstand der Klimawandel vernichtet. Wir brauchen ein neues Verhältnis zu Arbeit – und ihrer Verteilung. Die Menschen sollen nur so viel (lohn-) arbeiten müssen, wie gesellschaftlich notwendig ist und die Arbeit muss gerecht verteilt werden. Es braucht eine Entkoppelung von Arbeit, Wohlstand und gesellschaftlicher Teilhabe. Auf einem toten Planeten sind die Fachkräfte nicht arbeitslos, sondern tot! Die Klimabewegung verteidigt unsere Lebensgrundlage – wir sollten mit ihnen für eine sozial-ökologische Revolution kämpfen.

Nichts ist so teuer wie die aktuelle Politik

Das zweite beliebte Argument neben Arbeitsplätzen lautet: zu teuer! Als Kommunalpolitiker streite ich für flächendeckenden und ticketfreien Nahverkehr. Diese Forderung lösen außerhalb von Wahlkampfzeiten bei allen anderen Parteien Kopfschütteln aus, danach folgt der Verweis auf den Haushaltsplan, der angeblich keine Spielräume zulässt. Wir sollten uns den Klimawandel nicht als Sachzwang verkaufen lassen! Nichts ist so teuer wie die aktuelle (Verkehrs-) Politik. Die Kosten aber werden kaschiert, weil sie entweder in die Zukunft, in den globalen Süden, in andere Bereiche oder auf die unteren Klassen ausgelagert werden. Beispiel: Menschen mit geringen Einkommen leben an viel befahrenen Straßen und haben die Folgen der Verkehrspolitik zu tragen. Diese Analyse können wir auf viele weitere Bereiche übertragen – sowohl auf Bundes- als auch kommunalpolitischer Ebene.

Technische Innovationen nur fürs Allgemeinwohl

Mit technischen Innovationen soll die Menschheit Kontrolle über die Auswirkungen des Klimawandels gewinnen. „Geoengineering“ soll den Klimawandel technisch lösen oder abschwächen. Die Ideen reichen von Einlagerung von CO2 bis zur Entsorgung auf dem Mars. Absurd, aber diese Strategie ist vor allem bei Menschen beliebt, die nichts bis wenig ändern wollen. Daher sollten wir solche Positionen ablehnen. Technische Innovation ist begrüßenswert, wenn sie im Dienst des Allgemeinwohls steht – das heißt auch: Wir lehnen einen „grünen“ Kapitalismus ab. Einsparungen von CO2 und Ressourcen, die durch technische Innovationen bisher erreicht wurden, wurden durch die Fokussierung auf Wachstum negiert. Kurz: Bisher beschleunigt technische Innovation in Kombination mit Wirtschaftswachstum die Zerstörung unserer Lebensgrundlage! Auch „grüner“ Kapitalismus führt in die Barbarei!

Sexistische Diskussionskultur entlarven

Als Schlecker geschlossen wurde, hatte die Politik eine einfache Lösung: Die „Schleckerfrauen“ sollten zu Erzieher*innen und Pflege r*innen umgeschult werden. Bei Frauen scheint die Berufswahlfreiheit nicht so wichtig und ohnehin durch das Geschlecht vorbestimmt zu sein! Umso wichtiger scheint die Berufs wahlfreiheit beim männlichen Facharbeitern zu sein?! Wieso übertragen dieselben Politiker*innen ihre Forderungen gegenüber der „Schleckerfrauen“ nicht auf den Strukturwandel? Keine Frage, wir sollten dies auch ablehnen. Die Berufswahlfreiheit ist ein wichtiges Element einer freien Gesellschaft und sollte auch nicht beim Facharbeiter relativiert werden. Die aktuelle Diskussion zeigt aber, wie verlogen die Diskussion um die Zukunft der Facharbeiter ist und wie sehr wir uns um die Aufwertung sozialer und pflegerischer Berufe einsetzen sollten. Und um die Schaffung echter beruflicher Perspektiven für alle Menschen!

 

 

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Degrowth, Postwachstum, Bewegungen

Wege zur sozial-ökologischen Transformation, darunter das Grundeinkommen. Ein neuer Sammelband mit Beiträgen Aktiver aus 32 sozialen Bewegungen stellt diese Bewegungen vor und beschreibt Gemeinsamkeiten, aber auch Herausforderungen auf dem Weg in eine sozial-­ökologische Gesellschaft. Die Grundeinkommens­bewegung ist mit einem eigenen Beitrag dabei, das Grund­einkommen findet sich in mehreren Beiträgen (mehr Information).
Das Buch ist hier komplett online und die 32 Beiträge können einzeln angesehen werden.

Noch ist die Welt nicht bereit, sich vom herrschenden Wachstumsparadigma zu lösen. Doch Wachstum ist alles andere als „alternativlos“ – neue Konzepte, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und des Planeten orientieren, prägen die Postwachstumsdebatte. Der eher biedere oekom-Verlag hat ein Dossier zum Postwachstum zusammengestellt. Es enthält frei zugängliche Artikel aus Zeitschriften dieses Verlages zu folgenden Fragen:

    • welche Perspektiven es für eine Postwachstumsgesellschaft gibt,
    • warum Grünes Wachstum in die Irre führt,
    • ob es gelingen kann, das herrschende Wachstumsprimat durch sinnvolle Tätigkeiten, eine gerechtere Arbeitsaufteilung und mehr Zeit für Engagement und Muße abzulösen,
    • wie sich sinkender Ressourcenverbrauch und Einkommensgleichheit auf Technologie, Arbeit und Konsum auswirken,
    • ob sich Wachstum und Nachhaltigkeit in der Biobranche ausschließen.

und vieles mehr. Hier geht´s zu den Artikeln des Dossiers Postwachstum.


Konferenz zum sozial-ökologischen Umbau

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DIE LINKE. im Bundestag und die Rosa-Luxemburg-Stiftung starten mit einer gemeinsamen Konferenz zum sozial-ökologischen Umbau in das Jahr 2017. Im UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen wollen wir gemeinsam mit vielen Referentinnen und Referenten aus Umweltverbänden und Klimabewegung, Wissenschaft und Gewerkschaften diskutieren, wie wir die erforderliche gesellschaftliche Transformation vorantreiben können. Wir wollen dabei ganz konkret die harten Brocken dieses sozial-ökologischen Umbaus diskutieren, etwa die gerechte Gestaltung des Kohleausstiegs, das Wachstumsdilemma und herrschende Konsumweisen.

Kommt vorbei und diskutiert mit!

Dabei sein werden u.a.
Christoph Bautz, Campact, Prof. Ulrich Brand, Uni Wien, Pia Eberhard, Corporate Europe Observatory, Dagmar Enkelmann, Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Katja Kipping, MdB, Vorsitzende der Partei DIE LINKE, Ralf Krämer, ver.di, Bernd Riexinger, Vorsitzender Partei DIE LINKE, Felix Wittmann, Konzeptwerk Neue Ökonomie, Christian Zöllner, THE CONSTITUTE
sowie die Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter, Sabine Leidig, Caren Lay, Gesine Lötzsch, Petra Sitte, Kirsten Tackmann und Hubertus Zdebel.

Wir freuen uns über frühzeitige Anmeldungen,
aber auch Kurzentschlossene sind herzlich willkommen.

Weitere Informationen zur Konferenz: www.sozial-oeko-logisch.de
twitter.com/Umbau_Konferenz • #sozialoekologisch


Das Morgen tanzt im Heute

Die Emanzipatorische Linke Niedersachsen traf am 02.04.16 sich in Bremen zur Landesmitgliederversammlung.

Auf der Tagesordnung standen neben der Neuwahl zum Landeskoordinierungskreis (LaKo) auch eine Generaldebatte zur Entwicklung der Landespartei DIE LINKE. Niedersachsen und die Aufgaben der Ema.Li.

Die anwesenden Genoss*innen aus Aurich, Hannover, Oldenburg, Osnabrück, Peine und Uelzen waren sich einig darin, das die linken Themen der Zukunft u.a. das bedingungslose Grundeinkommen, die sozialökologische Transformation der Gesellschaft (Plan B, solidarische Ökonomie etc.), Netzpolitik und der Kampf gegen Rechts (AfD, Querfront etc.)  sind. Die libertären Sozialisten berieten darüber wie man diese Themen in den kommenden Kommunalwahlkampf einbringen könnte.

Sehr positiv wurde auch die Schriftenreihe der Ema.Li Niedersachsen „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“ aufgenommen. Bisher sind neun Ausgaben erschienen. Diese können über den LaKo gegen Portogebühr bezogen werden.

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Schriftenreihe der Ema.Li Niedersachsen

Zur Zeit finden die meisten Veranstaltungen der Ema.Li in Hannover statt, die Genoss*innen fanden das aber nicht als schlimm an, denn sie würden ja gut die Aktivitäten in Hannover unterrichtet. Durch den Aufbau weiterer Stammtische soll sich die Arbeit auch auf die Fläche verteilen.

Kommende Veranstaltungen sind: eine Veranstaltung mit Klaus Lederer, eine Buchvorstellung mit Katja Kipping und die Ema.Li Akademie in Hannover. Und im Juni soll es eine gemeinsame Verstaltung mit den Ema.Li Genoss*innen aus Bremen in Bremen zur Netzpolitik geben, eingeladen dazu wird der amerikanische Linke Trebor Scholz.

In den neuen LaKo wurden Jörg Erlautzki, Peter Siemens und Siegfried Seidel gewählt. Fares Rahabi wurde kooptiertes Mitglied des LaKo.

Besonderer Dank geht an die Bundestagsabgeordnete Birgit Menz für die freundliche Aufnahme in ihren Räumlichkeiten und den von ihr für uns gekochten Kaffee.

Überschattet wurde die Veranstaltung von der Nachricht, dass der ehemalige PDS Bundestagsabgeordente und Ema.Li Mitglied Rolf Köhne verstorben ist. Die Ema.Li Niedersachsen trauert mit seiner Familie.


Anders Wirtschaften ist möglich! [Rezension]

wegweiser_titel_2_auflage.inddElisabeth Voß, langjährige Aktivistin und Autorin im Feld der alternativen und solidarischen Ökonomien hat ein vor allem für Einsteiger_innen sehr lesenswertes Buch vorgelegt.

Zuerst widmet sie sich den Begriffen und Definitionen. Was ist genau gemeint, wenn von „solidarischer Ökonomie“ gesprochen wird? Meist werde darunter, im engeren Sinne, so Voß, „wirtschaftliche Selbsthilfe in kleineren oder größeren Gemeinschaften“ gemeint. Davon ausgehend diskutiert sie im zweiten Schritt die vielfältigen Aspekte und auch Konfliktfelder alternativen Wirtschaftens: Markt und Staat, lokal und regionales Handeln, Verständnisse und Wertigkeiten von „Arbeit“, Teilen und Nutzen statt Besitzen, Selbsthilfe und Eigentum und so weiter. Im dritten Kapitel stellt sie dann die verschiedenen „theoretischen“ Konzepten solidarischen Arbeitens und Wirtschaftens vor. Hier geht es um Degrowth und Post-Wachstum, um Commons und feministische Ökonomie(kritik), um Genossenschaften und Gemeinwesenarbeit, und nicht zuletzt um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen solidarischen und sozialen Ökonomien.

Den Hauptteil des Buches bilden dann die Praxisbeispiele solidarischen Wirtschaftens, die nach „Themenfeldern“ sortiert aufgeführt werden. Voß nennt eine Vielzahl an Namen und Strukturen, unter anderem aus den Bereichen Landwirtschaft, Wohnen, Energie bis hin zu Finanzen, Soziokultur, Medien und Archiven.

Das Buch ist ein Wegweiser, kein Diskussionsbeitrag und diesen Anspruch löst dieses preiswerte Buch mehr als ein. Sehr sympathisch ist, dass Voß gegen „Nischen“ argumentiert und dafür eintritt, sich den Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu stellen. Die Basis für solidarisches Wirtschaften sind für sie tragende soziale Beziehungen, sie sind die Basis für alles. Immer wieder weist sie ausdrücklich darauf hin, dass solidarisches Wirtschaften auch bedeutet, eine Transformation des öffentlichen Sektors (etwa der Wasser- oder Stromversorgung) nach der alternativen, wenn nicht antikapitalistischen Maxime, dass die (staatliche) Daseinsvorsorge die Teilhabe für alle Menschen gewährleisten muss, anzugehen. Ihr mit einem nützlichen Literaturverzeichnis versehenes Buch macht überdeutlich, dass es angesichts einer Welt, in der das Leben der einen (wenigen) jedes Maß verloren hat, und in der das Leiden der anderen (vielen) unermesslich ist, viele Alternativen gibt und wie diese – fragend und optimistisch – weitergetragen werden könnten.

Elisabeth Voß: Wegweiser Solidarische Ökonomie. Anders Wirtschaften ist möglich; zweite, aktualisierte und wesentlich erweiterte Auflage, AG SPAK Verlag, Neu-Ulm 2015, 204 Seiten, 10 EUR.

Website von E. Voss mit weiteren Informationen rund um solidarische Ökonomien: http://elisabeth-voss.de/

Text: Bernd Hüttner. Diese Rezension erschien zuerst auf dem Blog zur Privatisierungskritik  wemgehortdiewelt.de


Politik für ein „Gutes Leben“ statt Wachstum um jeden Preis

Tagung / Konferenz
Freitag, 09.01.2015 | 14:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Pavillon am Raschplatz, Hannover
Lister Meile 4
30161 Hannover

Kapitalismus/Alternativen

WAS IST SCHON HEUTE MACHBAR?

Ein sozial-ökologischer Umbau umfasst nicht nur die Förderung neuer Technologien, um ansonsten in der Gesellschaft alles beim Alten zu lassen. Es geht um anderes Wirtschaften, anderes Leben, anders Konsumieren.

In der neuen wachstumskritischen Bewegung besteht ein starker Fokus auf den individuellen Aufbruch zu einem genügsameren Lebensstil. Bücher wie „Befreiung vom Überfluss“ (Niko Paech) erreichen zigtausende begeisterte Leser. Bei sich selber anzufangen – diese Orientierung ist zunächst verständlich. Warum nicht mit dem Machbaren beginnen, anstatt auf die träge und in alte Strukturen verstrickte Politik zu warten.

Doch der Appell zur Änderung der Lebensweise wird womöglich kaum über ökologisch besonders engagierte Milieus hinaus gehört werden. Und auch diejenigen, die ihn gehört haben, brauchen für ihre Ziele ein „gastliches Umfeld“. Hier setzt die Idee von Politik für ein „Gutes Leben“ an: Welche Rahmenbedingungen kann sie heute schon verändern, so dass ein ressourcenleichter Lebensstil für alle zugänglicher wird?

In dem Arbeitskreis Sozial-Ökologische Transformation möchten wir einen Austausch von Menschen aus Politik, Bewegungen, Wissenschaft und Bildung organisieren, die an diesem Thema in verschiedenen Initiativen, Projekten und Formen arbeiten bzw. dauerhaft interessiert sind. Es geht um die Reflexion und den Austausch über bestehende sozial-ökologische Projekte in Niedersachsen, ihre Einordnung in theoretische Zusammenhänge (z.B. neue Ansätze der Wachstumskritik), aber auch um die Erarbeitung realistischer weiterer Schritte. Vielleicht kommt am Ende ein Impuls für eine Transformationsagenda für Niedersachsen heraus: Ausgang offen.

Angedacht ist, uns alle zwei Monate zu treffen: Meistens in Hannover, aber auch an Orten der sozial-ökologischen Veränderung im Land.

Ablauf:

Begrüßung:
ULRICH SCHACHTSCHNEIDER (Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e.V.)

Impulse:
ULRICH SCHACHTSCHNEIDER (freier Sozialwissenschaftler und Autor von „Green New Deal, Suffizienz oder Ökosozialismus?“): Politik für „Gutes Leben“ in einer pluralen Gesellschaft?

SABINE LEIDIG (MdB, DIE LINKE.)
Sozial-ökolologischer Umbau statt Green Capitalism. Ansätze für Politiken für „Gutes Leben“ im „PLAN B“ der Bundestagsfraktion Die LINKE.

Plenumsdiskussion mit Murmelgruppen und fish bowl.

Workshops:
Politik für „Gutes Leben“ in Niedersachsen: Mögliche Projekte

Plenum/Abschlussrunde:
Politik für „Gutes Leben“ in Niedersachsen:
Elemente / Verabredungen/ Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit

Um Anmeldung wird gebeten:
E-Mail an: kontakt@rls-nds.de

Bitte teilt uns auch mit, wenn Ihr prinzipiell Interesse an einer Teilnahme habt, aber am 09.01.2015 verhindert seid.

Kontakt

RLS Niedersachsen
Otto-Brenner-Str. 1
30159 Hannover

Telefon: 0511-2790934
Fax: 0511-2790948
E-Mail: kontakt@rls-nds.de

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