Zur Gründung von „Aufstehen!“ „Wir brauchen eine mutige LINKE!“

Zur Gründung von „Aufstehen!“ vom Bundeskoordinierungskreis der Emanzipatorischen Linken

Die Bilanz der Regierungspolitik der letzten Jahrzehnte ist gesellschaftlich verheerend. Der Sozialstaat wurde kontinuierlich abgebaut, ein großer Niedriglohnsektor ist entstanden, die Kinder- ebenso wie die Altersarmut steigt immer weiter an, die Einschränkung von Grund- und Freiheitsrechten wurde forciert und die Überwachung der Menschen nimmt ungeahnte Ausmaße an – und trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien steigt der CO2-Ausstoß immer weiter an.
Seit Monaten hat Björn Höcke, die Leitfigur der Völkisch-Nationalen in der AfD, den Sozialpopulismus für sich entdeckt. Der Höcke-Flügel in der AfD könnte mit seinen völkisch aufgeladenen sozialpolitischen Forderungen in der AfD die Mehrheit gewinnen. Dies hätte zur Folge, dass die AfD künftig auf einen Politikmix aus Rassismus plus „Sozialstaat“ setzen würde.
Höckes Kombination aus nationalistisch-patriotischer Rhetorik und sozialistisch anmutender Sozialpolitik hat das Zeug dazu, aus der bisherigen Nischenpartei eine Massenbewegung zu machen.

Die Linke in Deutschland konnte die beschriebene Entwicklung der Gesellschaft und den Aufstieg der AfD nicht verhindern.
Die Linke war ebenso wie DIE LINKE auch noch nicht in der Lage, ein emanzipatorisches Gegenmodell zum Nationalismus der Rechten zu bieten. Das Fehlen eines selbstbewussten linken Gegenentwurfs, nicht nur zum Neoliberalismus, der eine grundsätzliche Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen formuliert und andere Lösungen anbietet, entmutigt und vereinzelt. Es ist deprimierend zu erleben, wie die SPD, der die entscheidende Rolle in einem Linksbündnis zukäme, es als Erfolg verkauft, wenn sie die Auswirkungen der eigenen Politik abzumildern vermag. Tatsächlich gibt es links eine Lücke.
Auf diese Lücke will „Aufstehen!“ „die richtige Antwort“ sein, schrieb Martin Höpner am 17. August in der FAZ. Erklärtes Ziel von „Aufstehen!“ sei es, dass Menschen, die soziale Ungerechtigkeit beklagen, sich wieder durch die Politik vertreten fühlen sollen.
Wünschenswert wären neue linke Allianzen vor dem Hintergrund des Rechtsrucks in Deutschland und Europa allemal, und mancher hofft, dass „Aufstehen!“ eine solche Alternative ist.
Wir sind hier grundsätzlich skeptisch.

Denn „Aufstehen!“ vertieft Gräben in der gesellschaftlichen Linken mehr als es dazu beizuträgt, dass sie überwunden werden. Der vorliegende Gründungsaufruf von „Aufstehen!“ [1] zeigt, dass die „Sammlungsbewegung“ mit einem an die Einschränkung des Asylrechts von 1993 anknüpfenden „Recht auf Asyl für Verfolgte“ [1], einem nationaleren Zuschnitt der Sozialpolitik und einer Anti-EU Politik punkten will, auch deshalb, weil die Macher*innen ehrlich davon überzeugt sind, die neoliberale Spielart des Kapitalismus schwäche den Nationalstaat und wolle die Überwindung von Grenzen und nationaler Identitäten. Das ist sowohl historisch als auch analytisch falsch. Die neoliberale Spielart des Kapitalismus will nicht „No borderno nation“, sondern einzig die Zurückdrängung der staatlich garantierten sozialen Rechte bei gleichzeitiger Förderung eines starken (nationalen!) Gewaltapparates. 

Der Gegner von „Aufstehen!“ ist nicht der Kapitalismus an sich, sondern der „globalisierte Finanzkapitalismus, der Konzerne und Vermögende aus der sozialen Verantwortung entlässt.“ [1]. Die von „Aufstehen!“ vollzogene Trennung des Kapitals in einen bösen globalisierten Finanzkapitalismus und das gute produktive, nationale Kapital, das eine „soziale Verantwortung“ wahrnimmt, erhebt damit Ausbeutung, Entfremdung und Demütigung im alltäglichen Kapitalismus zu etwas Gutem oder zumindest Normalen und adelt die Ausbeutung und Entfremdung des Menschen in der Mehrwertproduktion. Die Behauptung, mit dem globalisierte Finanzkapitalismus sei das Böse auf die Welt gekommen, huldigt dem nationalistisch organisierten Kapitalbetrieb anstatt ihn zu bekämpfen.

Wenn im Gründungsaufruf von „Aufstehen!“ zu lesen ist, „Viele bereits zuvor vorhandene Probleme wie der Mangel an Sozialwohnungen, überforderte Schulen oder fehlende Kita-Plätze haben sich weiter verschärft. Am Ende leiden vor allem die ohnehin Benachteiligten.“ [1], dann werden einseitig die Lasten der Zuwanderung für Teile der Bevölkerung betont und auf diese Weise Flüchtlinge zum Sündenbock für soziale Verhältnisse gemacht. Das zeigt: „Aufstehen!“ will das linke Lager dadurch stärken, dass Zugeständnisse an das herrschende rechte politische Klima gemacht werden.  

In diese Richtung geht auch, dass das konservative „Europa der Vaterländer“ bei „Aufstehen!“ jetzt Europa souveräner Demokratien“[1] heißt. Dies beinhaltet aber trotzdem nichts als die Idee, dass bei jeder Form der zwischenstaatlichen Kooperation in Europa die Nation und ihre Souveränität weitgehend unangetastet bleibt. Auch hier: die Nation zuerst und abgestandener, konservativer Wein in neuen Schläuchen. 

Wenn „Aufstehen!“ „den Staat“ pauschal stärken will, plädieren sie für ein rechtssozialdemokratisches Projekt, das neben der Stärkung des Gewaltapparates zwar auch soziale Aspekte hat, aber im Kern auch von Antiliberalen und Konservativen geteilt werden kann. 

Gleichzeitig werden feministische, nichtweiße und queere Bewegungen im gesamten Gründungsaufruf nicht nur nicht erwähnt; sie werden in ihrer Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung auch nicht wargenommen und die Negierung dieser Bewegungen und ihrer Kämpfe macht diese Orientierung hin zur antiliberalen Rechten noch klarer.

Progressive Politik kann nicht nur zum Ziel haben, AfD-Wähler*innen dazu zu bewegen, andere Parteien zu wählen, die mit weniger Verharmlosung von Rassismus und weniger Denunziation von Emanzipationsbewegungen als die AfD daher kommen. Progressive Politik muss ein emanzipatorisches Gegenmodell zum Rechtsruck und zum gesellschaftlichen Rollback formulieren und andere Lösungen anbieten, die eine grundsätzliche Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen artikulieren. All dies leistet „Aufstehen!“ leider nicht.

Letztendlich ist uns eines wichtig: Politisches Handeln sollte sich um die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen drehen, vor allem derer, die präker beschäftigt oder anderen Formen der Diskriminierung und Benachteiligung ausgesetzt sind. Auf dem langen Weg zu einer besseren Gesellschaft ist es kein Widerspruch,  bereits unterwegs für Verbesserungen zu sorgen, ob sie nun einer Mehrheit oder „nur“ einer Minderheit nützen. Das geht gleichzeitig, da muss man nicht sagen „erst X, weil Y nicht so wichtig ist.“

Wie wir für diese Verbesserung der Lebensverhältnisse für alle kämpfen, müssen wir breit diskutieren und definieren – und vor allem müssen wires machen! Denn es rettet uns immer noch kein höh’resWesen, das müssen wir selber tun, gemeinsam mit allen Verdammten dieser Erde, unabhängig von Nationalität, Religion, Sexualität, Bildungsrad oder vermeintlicher wirtschaftlicher Nützlichkeit. Lasst uns mutig sein! Lasst uns gemeinsam aufbrechen und für eine linke Partei kämpfen, die fähig ist, die Dialektik zwischen Menschheits- und Klassenfragen zu meistern und für ein Programm, das die LINKE als eine moderne, progressive Partei präsentiert, die die soziale Frage in den Mittelpunkt stellt und trotzdem in der Lage ist, mit den Mittelschichten ein Bündnis gegen das Kapital und die Rechten in diesem Land zu schmieden.

[1] Gründungsaufruf https://www.aufstehen.de/gruendungsaufruf/ 


Das Programm der #EmaLiAk18 ist Online

Die Seite mit dem Programm der Akademie der Emanzipatorischen Linken, der #EmaLiAk18, ist ab sofort Online. Auf der Akademie-Seite könnt ihr euch das Programm anschauen und auch ab jetzt anmelden.
Vom 20. bis zum 22. April findet im Interim, Demmeringstraße 32, 04177 Leipzig, die #EmaLiAk18 „100 Jahre Bahnsteigkarte“, die Ema.Li-Akademie 2018 statt.
An drei Tagen im April kommen zur Die #EmaLiAk18 Ema.Lis, andere Linke oder einfach Interessierte in Leipzig zusammen, um sich auszutauschen, sich zuzuhören, voneinander zu lernen und miteinander zu feiern. Wir beschäftigen uns mit allen Themen rund den Begriff „Emanzipation“ und deren Auswirkung auf unsere Gesellschaft.

Wir freuen uns auf Euch und drei Tage voll von Debatten, Party und Kultur.
Natürlich gibt es nicht unendlich viele Plätze und auch bei der Ema.Li gilt: zuerst bestellt, zuerst dabei. Also: meldet euch schnell an. Wir Freuen uns.
Alles weiter findet ihr hier: Hier geht’s zur Akademie HP 


Keine Stimme für Le Pen und den FN, keinen Fußbreit dem Faschismus!

Von Sandra Beier (Berlin), Anne Helm (Berlin), Dorothée Menzner (Neustadt am Rübenberge), Oliver Höfinghoff (Berlin), Peter Laskowski (Tübingen), Siggi Seidel (Hannover) und Uwe Schwarz (Berlin)

Am 7. Mai findet in Frankreich die Stichwahl um das Amt des oder der Präsidente*in der Republik statt. In dieser Stichwahl wird es darum gehen ob der Kandidat des Neoliberalismus Macron oder die Kandidatin des Nationalkapitalismus Le Pen gewinnt. Marine LePen steht für Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus und das Schüren von Hass auf Muslime. Ihr Programm ist zutiefst antifeministisch und sieht beispielsweise eine drastische Verschärfung des Abtreibungsrechts vor. Sie steht für sozialen Kahlschlag bei den Migrant*innen, Abgaben für die Beschäftigung von Ausländer*innen und Nationalprotektionismus. Sie will die Regionalverwaltungen und damit zahlreiche Stellen im öffentlichen Dienst abschaffen und den Wehretat erhöhen.
Das Programm des Kandidaten des Neoliberalismus ist eine Kampfansage an Gewerkschaften und Beschäftigte in Frankreich. Durch seine Umsetzung droht ihnen der fundamentale Abbau von Rechten und des Sozialstaats. Macron setzt auf Deregulierungen, Steuerprivilegien für Reiche und mehr Rechte für private Konzerne. Wie man es jedoch dreht und wendet, sein Programm umfasst keinen offenen Rassismus, Sexismus, Antifeminismus, Homophobie, Antisemitismus und das Schüren von Hass auf Muslime. Und dies macht den Fundamentalen Unterschied zwischen dem Kandidaten des Neoliberalismus und der Kandidatin des Nationalkapitalismus aus.

Bei der Frage, wie verhalte ich mich zu „Le Pen an der Schwelle zur Macht?“, darf es kein Schwanken und Wanken der Partei DIE LINKE geben. Bei der Amtseinführung von Donald Trump haben einige Funktionär*innen aus Partei und Fraktion zum Abwarten geraten und ihn und seine Politik nicht von Anfang an offensiv bekämpft! Das darf es diesmal nicht geben!

Auch wenn Le Pen noch nie einen Krieg geführt hat, gegen die NATO und die EU steht und einen Ausgleich mit Russlands befürwortet, so steht sie in aller erster Linie für ein reaktionäres bis faschistisches Weltbild der Ausgrenzung und der Menschenverachtung. Es muss unzweideutig klar sein, dass DIE LINKE sich auf die Seite derer stellt, die grundlegende zivilisatorische Errungenschaften nicht aus einer undifferenzierten Protesthaltung heraus zur Disposition stellen. Gegen Macrons Politik wird man mobil machen müssen. Der Sozialabbau, den Macron und seine Liberalen befördern, wird bekämpft werden müssen, auch das ist klar. Dieser politische Kampf wird gemeinsam mit Gewerkschaften und sozialen Initiativen geführt werden müssen. Nicht zur Wahl Macrons aufzurufen und somit auszusagen, es sei egal, ob man Macron oder LePen wähle, ist aber keine Alternative für Linke in Deutschland oder in Frankreich. Wohin eine Demobilisierung linker Wähler*innen bei einer Wahl zwischen liberalen und offen rassistischen Kräften führt, mussten wir bereits bei der letzten Wahl für das Weiße Haus erleben.

Für Frankreich selber wird es wesentlich sein, dass sich dort eine starke außerplamentarische Bewegung gegen Neoliberalismus und für ein solidarisches Europa unter Mitwirkung von La France insoumise entwickelt. Als europäische Linke müssen wir uns auch endlich darauf konzentrieren gemeinsam mit anderen progressiven Kräften zu zeigen, dass wir nicht nur den neoliberalen Charakter der EU kritisieren, sondern auch welche Vision eines sozialeren und fortschrittlicheren Europas wir haben.

Die Haltung unserer Partei gegenüber Marine Le Pen muss eindeutig und unmissverständlich sein und kann nur lauten: Keine Stimme für Le Pen und den Front National, keinen Fußbreit dem Faschismus!


„Ein neues Europa“, die dritte Ausgabe von „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“

Wir leben in Zeiten eines gesellschaftlichen Rollbacks, das zeigt der jüngste CDU Parteitag in Essen und die Wahlerfolge der AfD. Und auf internationaler Ebene der Wahlsieg von Trump in den USA, ihm vorraus ging die „Revolution“ der Tea Party innerhalb der Republikanischen Partei, in der eine populistische Basisbewegung das konservative Parteienestablishment erfolgreich entmachtete. Auch die reaktionäre Politik von Erdogan in der Türkei und der „Brexit“ gehören zu diesem Rollback.

Nationalismus, Rassismus, Antifeminismus und Autoritätsgläubigkeit gibt es allerdings nicht nur bei Konservativen und Rechtspopulisten, sondern leider auch in Teilen der Partei DIE LINKE. Da ist die Rede vom einen Auftritt aus der EU, bzw. der Wiedereinführung der Deutschen Mark, von Flüchtlingsobergrenzen, es gibt in weiten Teilen der Partei DIE LINKE eine große Sympathie mit dem Autokraten Wladimir Wladimirowitsch Putin und mit dem Diktatur Baschar Hafiz al-Assad.

Die Antwort auf den Neoliberalismus und Konservatismus, kann dies alles nicht sein. So brauchen wir eine Partei DIE LINKE, die Internationalistisch und auch EU Kritisch ist, aber nicht Europafeindlich und Nationalistisch, den Europafeindlichkeit und Nationalismus sind Rückwärtsgewandt und bringt uns da nicht weiter.

In der dritte Ausgabe der Schriftenreihe der Emanzipatorischen Linken „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“ finden sich die Themen Europa (Diem25), Frankreich (der Aufstieg des NF), Flucht und Fluchtursachen und Warum Obergrenzen nicht links sind wieder.

Die Emanzipatorische Linke hofft mit diesen Artikeln die Diskussionsprozesse in der Partei DIE LINKE anzuregen. Sie hofft darauf, das diese Artikel zum nachdenken anregen.

Die fabelhafte Welt der Ema.Li Ausgabe drei


„Links-Libertär“, die zweiten Ausgabe von „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“

Was bedeutet der Begriff „links-libertär“? Damit befassen sich in der zweiten Ausgabe von „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“ :Robert Zion, Klaus Lederer und Wolfgang Strengmann-Kuhn.

„Der Liberalismus ist die Wurzel des Sozialismus, will man also radikal verfahren, so muss man den Liberalismus kaputtmachen, dann verdorrt der Sozialismus von selbst.“ Diese Zeilen schrieb Friedrich Engels an Karl Kautsky 1892.
Der Unterschied zu den Bürgerlichen Liberalen ist jedoch ein Fundamentaler, denn die bürgerlich Liberalen wollen im Namen der Freiheit weniger Staat und mehr Individualität. Die libertären Linken wollen namens der Freiheit einen gerechten Staat, mehr Gesellschaft und mehr Freiheit des Individuums. Und Freiheit des Individuums beinhaltet immer sozialen Gerechtigkeit.

Um es mit den Worte der Genossin Petra Pau zu sagen „DIE LINKE muss immer auch eine Moderne sozialistische Bürgerrechtspartei sein. Das wäre geradezu ein Qualitäts-Siegel der neuen Linken.“
Sozialismus kann ohne Freiheit nicht funktionieren, ebenso wenig die Demokratie. Deshalb ist die Freiheit des Einzelnen die Voraussetzung der Freiheit aller (Karl Marx).
Schon Rosa Luxemburg erstrebte einen „demokratischen Sozialismus“. Ihre Botschaft war immer: Die angestrebte neue Zeit dürfe nicht hinter die bürgerlichen Errungenschaften der Französischen Revolution zurückfallen. Im Gegenteil: Im Sozialismus müssten Freiheits- und Bürgerrechte radikal ausgeweitet werden.
Rosa Luxemburg strebte eine „ungehemmte Teilnahme der Volksmassen, in unbeschränkter Demokratie“ an. Heute erleben wir das Gegenteil: Die Demokratie wird immer beschränkter und die „Volksmassen“ fühlen sich immer ausgegrenzter, ohnmächtiger.
Dieser Befund ist belegt und er gilt für Kernstaaten des entwickelten Kapitalismus, wie der Bundesrepublik Deutschland. Dafür gibt es subjektive und objektive Gründe. Sie sind zerstörend.

Aktuell wird die Frage nach der inneren Sicherheit durch die vergangenen Anschläge wieder gestellt. Aber darf die Freiheit deshalb geopfert werden? Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung, mehr Polizei etc. sind der Weg in den Überwachungsstaat. Der Weg in einen autoritären Staat, wo die Freiheit stirbt?
Inwieweit unterscheidet sich dann die „autoritäre“ Demokratie dann noch vom autoritären Sozialismus?
Mit dieser und anderen Fragen setzen sich Robert Zion, Klaus Lederer und Wolfgang Strengmann-Kuhn zweiten Ausgabe von „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“ auseinander.

Über die Unterschiede zwischen „autoritären Sozialismus“ und „Links-Sozialismus“ werden wir uns in einer anderen Ausgabe der Schriftenreihe der Emanzipatorischen Linken auseinander setzen.

Die fabelhafte Welt der Ema.Li, Ausgabe zwei


Die fabelhafte Welt der Ema.Li

Pünktlich zur Akademie der Ema.Li, der #EmaLiAk17 in Hannover stellen wir euch in den nächsten drei Wochen die ersten drei Ausgabe von „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“ vor. „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“ ist die neue Schriftenreihe der Emanzipatorische Linken (Ema.Li).

Die Schriftenreihe der Emanzipatorische Linken soll dazu dienen, Beiträge zu Politischen Thema aus Sicht von Mitgliedern der Ema.Li zu sammeln und wiederzugeben. In diesem Jahr sollen sechs Ausgaben und eine Sonderausgabe zum Dokumentieren der Beiträge bei der #EmaLiAk17 von „Die fabelhafte Welt der Ema.Li“ erscheinen.

Freut euch Darauf.

Die erste Ausgabe ist dazu gedacht, euch die Emanzipatorische Linke näher zu bringen.

Das im April 2006 erschienene Papier „Freiheit und Sozialismus – Let‘s make it real“ von Julia Bonk, Caren Lay und Katja Kipping kann man eigentlich als Geburtsurkunde der Emanzipatorischen Linken ansehen. 2009 folgte dann die Gründung als Strömung in der Partei DIE LINKE. Ein weiterer Meilenstein unserer Geschichte ist das 2010 erschienene Papier „Anders leben, anders arbeiten, anders kämpfen – Für eine emanzipatorische Linke“, dessen Kurzform wir ebenfalls dokumentieren.

Die fabelhafte Welt der Ema.Li Heft 1


Auf zu neuen Ufern

akademie-jpg-htm31. März bis zum 2. April 2017 findet im Naturfreundejugend Haus in Hannover mit „Auf zu neuen Ufern“, erstmalig die neue Frühjahrs-Akademie der Emanzipatorischen Linken statt.
Wir können Politik auch anders. Zukunft gestalten, verändern, anders denken. Zukunft gestalten heißt, Veränderungen mit Enthusiasmus zu begrüßen, in Problemen die Chance auf grundsätzliche Verbesserung zu erkennen.
Experimentierfreude ist nicht immer gern gesehen, auch und gerade bei der Definition von dem, was „die Politik“ sein soll. Parteien, auch DIE LINKE, werden an ihren Positionen zu tagesaktuellen Ereignissen gemessen, also an ihren Reaktionen auf externe Geschehnisse.
Gestaltungswille, politische Ziele und Visionen sind für Parteien, auch für die Partei DIE LINKE, oftmals nur optionale Aspekte, da sich Wähler*innen-Stimmen vermeintlich nur mit dem Handeln im „Jetzt und Hier“ gewinnen lassen, nicht mit dem Versprechen einer anderen, besseren Zukunft. Es geht aber auch anders. Nur manchmal muss man dafür zu neuen Ufern aufbrechen.
Deshalb: „Auf zu neuen Ufern“.
Darum geht es bei der 1. Akademie der Emanzipatorischen Linken. Diese bietet Raum um über unsere Inhalte zu sprechen, aber auch die Vernetzung unter unseren Mitgliedern voranzutreiben.
Wir konnten als Referent*innen und Diskutierende (bisher) gewinnen: Katja Kipping, Robert Zion (Journalist, Publizist und Buchautor), Julia Reda (Piraten, MdEP), Stephan Urbach (Autor und Netzaktivist), Maren Kaminski (GEW, Gewerkschaftssekretärin), Roman Grussu (Betriebsrat bei der Volkswagen Financial Services AG (VWFS)), Sven Kindler (MdB, Die Grünen) Doris Achelwilm (Vorsitzende DIE LINKE Bremen), Anne Helm (MdA Berlin), Katharina König (MdL DIE LINKE Thüringen), Daniel Schwerd (MdL DIE LINKE NRW, angefragt), Marco Höhn (Landesgeschäftsführer DIE LINKE. SH), Thomas Dutzak (Mitarbeiter Politikentwicklung/-beratung/Öffentliches Wirken, DIE LINKE. Sachsen), Oliver Höfinghoff, Peter Meiwald (MdB,Die Grünen) und viele, viele andere.
Das volle Programm werden wir Ende Februar veröffentlichen. Freut euch darauf!
 Wir freuen uns auf Euch und drei Tage voll von Debatten, Party und Kultur

Foltin: Theorien der Autonomen [Rezension]

 

Der, wie er selbst sagt, „arbeitslose Autor“ und „Politaktivist (zu wenig)“ Robert Foltin hat auf knapp 200 Seiten zusammengetragen, was für ihn zum Mosaik der Gedanken- und Theoriegebäude hinter (oder vor?) autonomem Handeln gehört. Ob „autonome Theorien“ dabei fruchtbarer „Teil der emanzipatorischen Praxis“ autonomer Strukturen und Akteur*innen sind (oder andersherum?) bleibt offen, sein Titel-Fragezeichen inbegriffen. Platz zum Weiterdenken also – und zum Handeln.

Seit einigen Jahren gibt es auf dem linken und linksradikalen Buchmarkt vermehrt Bücher, die ausdrücklich Einführungen in ein Thema oder eine Theorie sein wollen und solche, die als Überblickswerke gedacht sind. Foltins neues Buch ordnet sich auf dem Regalmeter unter letzteren ein.

Der 1957 geborene Robert Foltin ist vor allem durch seine Mitarbeit an der vor kurzem nach 52 Ausgaben geschlossenen Zeitschrift „grundrisse“ aus Wien bekannt. Deren Texte sind alle online zugänglich. Er hat unter anderem zwei gute Bücher über die Geschichte sozialer Bewegungen in Österreich geschrieben und ist einer derjenigen, die dankenswerterweise die politischen Ansätze des Postoperaismus von Antonio Negri / Michael Hardt und anderen kritisch diskutiert und bekanntgemacht haben.

Das neue Buch will „(Revolutions)-Theorien vorstellen, die in autonomen Szenen diskutiert werden“, so der Globalansatz im Vorstellungs-Text auf der Rückseite. Wer aber die Vielfalt – Foltin nennt es „Patchwork“ – linksradikaler Politikformen kennt, kann sich vorstellen, dass das, erst recht auf knapp 200 Seiten, eine große Herausforderung ist. Der erste Blick ist hierbei folgerichtig auch ein historischer, wenn Foltin das „Patchwork“ an seinen längfädigen Zipfeln zu packen sucht. So stellt Foltin also zunächst kurz historische, antiautoritäre Vorläufer autonomer Theorien, wie den historischen Anarchismus, Rätekommunismus und „1968“ vor. Im folgenden, mehr als die Hälfte des Buches umfassenden aktuellen Teil werden klassischer Anarchismus, Operaismus, (anarchistischer) Insurrektionalismus (Stichwort: „Der kommende Aufstand“), autonomer Antiimperialismus und schließlich Feminismus dargestellt. Antideutsche und Wertkritik werden ebenfalls diskutiert.

Nach der Lektüre des schmalen, aber als Theorie-Setzkasten mit Schwergewichten autonomer Konzepte dicht bestückten Bandes, stellt sich aber einmal mehr die Frage, ob sich ein solches Patchwork zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen vermag oder gar in Kategorien pressen lässt. Oder ob eine solche Vielfalt, wenn sie in dieser platzsparenden Zusammenstellung als Überblick angeordnet ist, nicht zwangsläufig verkürzt und banalisiert werden muss. Andererseits ist das Buch möglicherweise hilfreich für Leser*innen, die wissen wollen, was die Generationen vor ihnen sich gedacht haben zu dieser Welt und dazu, wie eine andere erkämpft werden könnte. Vielleicht machen es gerade Bücher wie dieses einfacher, kritisch zu lesen, nicht aufzuhören (oder besser: überhaupt damit anzufangen) Fragen zu stellen, sich selbst einzuordnen in eine Denktradition, Reibungspunkte, Gegenstandpunkte zu finden und Weiterentwicklungen zu ergründen.

Eingelesene Theoriefreaks hingegen werden am Ende vor allem das Literaturverzeichnis zu schätzen wissen, sonst jedoch kaum Neues entdecken. Welchen Gewinn die Leser*innen von Foltins „Autonomen Theorien“ und „Theorien der Autonomen“ konkret haben, möge jede*r selbst entscheiden. Die Mehrheit „der Autonomen“ engagiert sich ja ohnehin politisch – ohne größere theoretische Kenntnisse.

Bernd Hüttner

Robert Foltin: Autonome Theorien – Theorien der Autonomen (mandelbaum Verlag, Wien 2015, 192 Seiten, 15 EUR)

Dieser Text erschien zuerst in terz, Düsseldorfs autonomer Stadtzeitung für Politik und Kultur, Ausgabe 11/2015.Auto


Und da war er wieder….

marx-zurueck…der letzte Mittwoch im Monat, Stammtischzeit der Emanzipatorischen Linken Niedersachsen in Hannover. Diesmal war volles Haus im „Augusten 1“ angesagt, die anwesenden GenossInnen fanden kaum Platz. Doch woran lag das? Lag es daran, dass der Stammtisch immer Geistreich, Innovativ, Lustig und Gehaltvoll ist oder dass viel besprochen werden sollte. Beides ist richtig. Themen die diesmal aufgegriffen wurden u.a., waren die Querfrontveranstaltung des fds Niedersachsen im UJZ Kornstraße, Liberalismus und Marxismus (das für und wider), das Bedingungslose Grundeinkommen, die FDP und die Neuen Liberalen. Es ging durchaus Ernsthaft zur Sache, aber wurde aber auch herzlich und viel Gelacht, bei Alsterwasser, Bier, Cola und Wein…also ruhig mal vorbei Schauen, der nächste letzte Mittwoch im Monat kommt und er sei euch auch schon verraten, es ist der 29.04.2015.


Zur Lage der Landespartei nach dem Landesparteitag am 7./8. Februar 2015 in Hannover

„Es geht auf Mitternacht zu, da liegen sie sich in den Armen und tanzen. Die Kommunisten und die Reformkräfte, glühende Befürworter und kompromisslose Gegner einer Beteiligung an Regierungen. Die Linkspartei feiert in Emden. Zwar wirkt die Nordseehalle etwas groß und kühl für die 200 Delegierten und Gäste des Landesparteitags. Aber als die holländische Gruppe Bots ihren Gassenhauer ‚Was wollen wir trinken, sieben Tage lang‘ spielt, kommt das Gefühl der großen Einigkeit auf. Man prostet sich zu. So viel Zusammengehörigkeit hatte die Linkspartei in Niedersachsen selten.“

So berichtete die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) 2010 vom Parteitag der LINKEN in Emden, eine Ära ging zu Ende. Das Zepter ging von Diether Dehm auf seinen Vertrauten (so die HAZ) über. Aber was ist geblieben von der damaligen Euphorie?

Nicht viel: Der Wiedereinzug in den Landtag scheiterte, der große Erfolg bei den Kommunalwahlen 2011 blieb aus, bei der Bundestagswahl musste die DIE LINKE auch einstecken, die Niedersächsische Landesgruppe verlor zwei Sitze in der Linksfraktion, nur noch vier anstatt sechs Abgeordnete aus Niedersachsen. Dann kam es 2014 noch zu einem Zerwürfnis zwischen Sohn und Dehm (und der Landesgruppe im Bundestag) wegen Finanzierungshilfen für die Landespartei. Der letzte Parteitag der LINKEN in Hannover war nun das Ende dieses Schauspieles und es wurde ein neues Kapitel auf geschlagen. Aber anders als bei den Vorständen unter Dehm und Sohn spiegelt sich im neuen Landesvorstand ein wesentlicher Markenkern der LINKEN nicht mehr wider: der Pluralismus, die „Mosaik-LINKE“.

In kurzen Worten kann man den Parteitag vom 7./8. Februar wie folgt beschreiben: Die Dogmatiker haben gesiegt. Doch der Dogmatismus, das unkritisches Festhalten an Lehrmeinungen und Glaubenssätzen, wird diesen Landesverband nicht weiterbringen, denn die meisten Menschen, die DIE LINKE wählen, wollen in erster Linie erst einmal, dass etwas für Sie im Hier und Jetzt getan werden kann, und das ist mit Dogmatismus nicht zu machen. Das heißt nicht, dass man das große Ziel, den Sozialismus, aus dem Sinn verlieren sollte, aber das ist den sogenannten „Marxisten“ wahrscheinlich egal. Sie freuen sich darüber, dass der Landesvorstand fast nur aus AKL- und SL-Mitgliedern besteht und dass die aus ihrer Sicht „Rechten“ in der Partei nicht zum Zuge gekommen sind. „Die Verabschiedung eines Leitantrages mit massiver Kritik an der SPD/Grünen Landesregierung oder auch der Auftritt der Bundesvorsitzenden Katja Kipping traten angesichts der Machtkämpfe um die Führung in den Hintergrund“, schrieb die Neue Osnabrücker Zeitung. Die Verabschiedung des Leitantrages und der Auftritt der Parteivorsitzenden waren die wenigen positiven Lichtblicke eines Parteitages, der von Disharmonien geprägt war.

Einheit in Vielfalt
Katja Kipping beschwor sie noch, „die Einheit in Vielfalt“. Jede Strömung, Plattform etc. stehe nicht nur für GenossInnen in der Partei, sondern auch für bestimmte Bevölkerungsschichten in der Republik. Doch bestehe die Gefahr, dass nun gerade bestimmte Kräfte in der Partei ausgegrenzt würden und damit auch die dazu gehörigen Wählerschichten. In der derzeitigen Situation noch Pluralismus zu erkennen, fällt schwer. Auch die warnenden Worte des langjährigen Landesvorstandsmitgliedes Michael Ohse wurden nicht als solche wahrgenommen: Er wurde mit Abwahl bestraft. Hier zeigt sich auf drastische Weise, dass nur eine einzige Meinung im Landesverband zu gelten hat. Abweichende Meinungen werden entweder nicht wahrgenommen oder umgehend bekämpft. Wie so ein innerparteilicher Diskussionsprozess stattfinden soll, wie Brücken gebaut werden sollen, ist schwer nachzuvollziehen.
Auch wurde offensichtlich, dass alle Aussagen über einen „Neuanfang“ oder „Aufbruch im Landesverband“, über weniger Streitereien und bessere Umgangsformen, vor allem aber auch über mehr „Pluralismus“ de facto nur hohle Phrasen waren. In inhaltlicher wie in personeller Sicht war ein Ausgleich zwischen verschiedenen Flügeln der Partei zu keiner Zeit erwünscht, erst als alle wichtigen Positionen bereits sicher gewählt waren, bot man großzügig die Wahl eines FDS-Kandidaten als Feigenblatt an.
Ole Fernholz, bis zum Parteitag noch Landesschatzmeister, dem selbst Gegner des Reformflügels bescheinigten, gute Arbeit geleistet zu haben, zog seine Kandidatur zurück, weil sie in der gegebenen Konstellation der Kräfte keinen Sinn mache. Einige Delegierte beklagten, Ihnen sei die Möglichkeit genommen, Pluralität zu wählen. Damit lagen sie nicht falsch. Strömungs- und Meinungsvielfalt spielten bei den Personalentscheidungen des Wochenendes keine Rolle. Auch Mängel und Nachlässigkeiten der letzten Jahre wurden ausschließlich dem Reformlager, den „Sozialreformern“ angelastet. Als Emanzipatorische Linke fragen wir uns: Welchen Erkenntniswert hat eine Schadens- und Bestandsaufnahme durch eine ideologisch gefärbte Brille?

Verlorenes Vertrauen
Der Umgang miteinander reichte von rustikal bis unanständig. Statt zu integrieren, wurde intrigiert, statt miteinander zu reden, wurde gegeneinander Stimmung gemacht. Statt den Ausgleich zu suchen, wurden Blöcke gebildet und Fronten errichtet. Groß wird der Einfluss der niedersächsischen Landesgruppe der Bundestagsfraktion sein.

Dogmatismus und Populismus auf dem Vormarsch
Der so beschlossene „Leitantrag“ des Landesverbandes spiegelt leider fast völlig das wider, was AKL und SAV im Siegestaumel als „Stellungnahme zum Landesparteitag“ veröffentlichten: eine Neuausrichtung der LINKEN in Niedersachsen als „antikapitalistische“ und „systemoppositionelle“ Partei. Die Partei hat sich nicht nur inhaltlich von jedem Pragmatismus und jeder Regierungs-, Mitregierungs- oder auch nur Tolerierungsoption verabschiedet. Sie hat sich tatsächlich inhaltlich in eine vulgärmarxistische Richtung gedreht, die jede Zusammenarbeit mit Politikern anderer Parteien abseits von DKP oder MLPD unmöglich macht. Reaktionen auch von Vorstandsmitgliedern außerhalb von AKL und SAV haben deutlich gemacht, dass insbesondere auch der innerparteiliche Ausgrenzungskurs der genannten Vereinigungen Zuspruch findet. Bezeichnend ist aber auch, dass anders als bei früheren Parteitagen viele Anträge zur weiteren Beratung nicht an den Landesausschuss, sondern an den Landesvorstand verwiesen wurden – obgleich man doch eigentlich mit dem neuen Vorstand die Beteiligungsmöglichkeiten „der Basis“ stärken will.

Alternativen
Vor diesem Hintergrund wird sich die Emanzipatorische Linke Niedersachsen noch stärker bemühen, den innerparteilichen Diskussionsprozess, auch gegen Widerstände, aufrecht zu erhalten, den Landesvorstand kritisch zu begleiten und eine emanzipatorische linke Politik ohne Dogmen und Ausgrenzungen zu fördern. Alle GenossInnen, die das auch wollen, laden wir herzlich dazu ein, diesen Weg mit uns gemeinsam zu beschreiten.

Konsequenzen für die Emanzipatorische Linke Niedersachsen
Als Emanzipatorische Linke sehen wir es in den kommenden zwei Jahren als unsere Aufgabe an, die Programmatik innerhalb des Landesverbandes in ein progressive Richtung zu lenken. Sie soll uns auch für WählerInnen attraktiv machen, die sich bislang in Niedersachsen von der Linken noch nicht angesprochen fühlten. Wir meinen: Junge Leute, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit mittleren Einkommen, sozialökologische Interessierte und Engagierte, Menschen aus dem „linksintellektuellen“ Milieu lassen sich nicht von Revolutionsromantik und Populismus überzeugen. Inhaltlich und personell müssen wir Alternativen finden und den Landesverband zukunfts- und politikfähig machen.

Emanzipatorische Offensive: Druck ausüben durch konstruktive Kritik
Die Emanzipatorische Linke Niedersachsen versteht sich als innerparteiliche „Pressure Group“ und wird künftig stärker in den innerparteilichen Diskussionsprozess eingreifen. „Die Emanzipatorische Linke erkennt an, dass in der Programmatik der Partei linksemanzipatorische und radikaldemokratische Inhalte auszumachen sind. Es gibt aber leider zu wenige davon und immer wieder ist Druck von Nöten, um auf die innerparteilichen Kräfteverhältnisse im Sinne einer linksemanzipatorischen Politik Einfluss zu nehmen. (…)“ So heißt es zutreffend in den Grundsätzen und Leitlinien der Ema.Li.

Neue Zielgruppen für eine moderne sozialökologisch ausgerichtete und progressive sozialistische Mitgliederpartei
Katja Kipping sagte am 19. April 2014 in einem Spiegel-Interview: „(…) Inzwischen kann sich fast ein Viertel aller Menschen vorstellen, die Linke zu wählen. Das gab es noch nie. Anders als bei anderen Parteien konzentriert sich unsere Wählerschicht nicht auf ein Milieu. Bei der SPD liegt der Fokus auf der Arbeitnehmermitte, bei den Grünen im bürgerlichen Milieu. Das Wählerpotential der Linken teilt sich zu fast gleichen Teilen auf in die Bereiche Prekariat, Beschäftigte und Bildungselite. Aus dieser Vielfalt eine Richtung für Veränderungen zu entwickeln, ist keine kleine Herausforderung. Aber daraus kann der Kern eines progressiven Lagers entstehen, das um gesellschaftliche Hegemonie für eine sozialökologische Gerechtigkeitswende kämpft. So ein Mitte-unten-Bündnis braucht guten programmatischen Kitt. Und wir werden weiter eine Doppelstrategie verfolgen. Einerseits ein alternativ, links-ökologisch orientiertes Milieu anzusprechen, zum anderen auch eine zugespitzte Ansprache, die mobilisierend wirkt in Schichten, die sich von Politik eigentlich nur noch abwenden. (…)“

Ausblick auf die in Niedersachsen anstehenden Wahlen
Im Ergebnis lässt der Parteitag für die anstehenden Kommunalwahlen wie auch für die Landtagswahl das schlimmste befürchten. Die von Michael Ohse deutlich angesprochene mangelnde Unabhängigkeit des neuen Landesvorstandes von den vier MandatsträgerInnen in Berlin ist nur allzu offensichtlich. Damit ist zwar der Streit zwischen MdB und Landesvorstand offiziell beigelegt, das Grundproblem einer unabhängigen Führung und auch Finanzierung der Partei abseits von Klientelismus ist damit aber keineswegs gelöst – sie ist nun faktisch nicht mehr vorhanden. Die Art und Weise mit der selbst Akteure, die zwischenzeitlich in der LINKEN längst als unwählbar galten, wieder installiert wurden, lässt mit Blick auf die nächsten Wahlen nicht auf eine Personalauswahl hoffen, bei der Qualifikationen, Wählbarkeit und die Besetzung wichtiger Themenfelder eine Rolle spielen. Auch inhaltlich dürfte Michael Ohse mit seiner Warnung vor einer rein „bewegungsorientierten“ Partei Recht behalten. Ohnehin wurde die inhaltliche Arbeit landespolitischen Themen nach der Landtagswahl 2008 weitgehend eingestellt und der Fraktion überlassen. Der Versuch, nach dem Ausscheiden aus dem Landtag neue Strukturen wie die „Außerparlamentarische Opposition“ aufzubauen, darf als komplett gescheitert angesehen werden. Die Unterstützung von und Teilnahme an Demonstrationen kann jedoch keine inhaltliche Arbeit ersetzen. Bei Wahlen und bei der Arbeit in Parlamenten werden Problemlösungen erwartet, keine Parolen oder Demoaufrufe. Bedenklich ist auch die Tatsache, dass mit Niedersachsen ein weiterer Landesverband im Westen der Republik zu einem reinen Wahlverein für Abgeordnete degradiert werden und die Partei auch hier – trotz vorhandenem Wählerpotential und einer tatsächlichen „Nachfrage“ nach politischen Alternativen – in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken könnte.

Koordinierungskreis Emanzipatorische Linke Niedersachsen
Hannover, den 27. Februar 2015