10 Jahre Ema.Li Teil 7: Das Erich Mühsam Fest 2014

In diesem Jahr wird die Emanzipatorische Linke (Ema.Li) 10 Jahre jung, wir dokumentieren hier einige bedeutende Abschnitte in der Gesichte der Ema.Li.

2014 war die Ema.Li Mitveranstalter des Erich Mühsam Festes in Berlin.

Vor bald 80 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934, wurde der jüdische Dichter und Publizist Erich Mühsam im KZ Oranienburg bestialisch ermordet. Er war eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Bohème, emanzipatorischer Querdenker und gehörte als Revolutionär zu den Hauptakteuren der Münchner Räterepublik. Durch monatelange Folter entstellt, fand man seine sterblichen Überreste am 10. Juli 1934 aufgehängt in der KZ-Latrine. Dass er damit eines der ersten prominenten Opfer der NS-Diktatur wurde, war kein Zufall. Zum einen hatten die Nazis nicht vergessen, dass Mühsams Entlassung aus der Festungshaft 1924 ein Nebeneffekt jener Amnestie war, die eigentlich Hitler galt. Zum anderen hatten sie in Mühsam – zu Recht – einen ihrer gefährlichsten Widersacher erkannt. Er baute die Rote Hilfe mit auf und war einer der wenigen, die bis zum Schluss für eine Einigung der ideologisch zersplitterten Linken gegen den Faschismus kämpften.

Schon von 2001 bis 2004 wurde in Berlin das Andenken des großen Menschenfreundes Mühsam – jeweils am Wochenende nach dem Jahrestag seiner Ermordung – mit einem stetig wachsenden Fest gefeiert. Am Todestag deshalb, weil die Umstände seines Todes mehr über sein Leben verraten, als das Datum seiner Geburt. Als lebensbejahendes Fest deshalb, weil er sich genau das gewünscht hätte. „Menschen, lasst die Toten ruh’n und er erfüllt ihr Hoffen!“ – so heißt es in einem seiner Gedichte und an anderer Stelle fordert er dazu auf, Rotwein über seinem Grab zu trinken.

In diesem Geiste wurde das Erich Mühsam Fest von Berliner Künstlern und Vertretern verschiedener linker Gruppierungen als offenes gegenkulturelles Podium mit Lesungen, Konzerten, Ausstellungen, Performances, Vorträgen und Diskussionen konzipiert. 2001 lockte das erste noch sehr improvisierte Fest ca. 300 Menschen in das entlegene Fort Hahneberg, 2002 waren es schon ca. 600. Ins Stadtbad Oderberger Straße kamen 2003 mehr als 1.000 Menschen, und zu seinem 70. Todestag 2004 waren es 1.600 Zuschauer und über hundert Akteure auf vier Bühnen, die über alle Grenzen von Parteien und Gruppierungen hinweg im Geiste Erich Mühsams diskutierten und feierten.

Wir, die wir geistige Menschen sind, wollen zusammenstehen. In einer Reihe mit Vagabunden und Bettlern, mit Ausgestoßenen und Verbrechern wollen wir kämpfen gegen die Herrschaft der Unkultur! (…) Gerechtigkeit und Kultur – das sind die Elemente der Freiheit!

Erich Mühsam

Zwei Dinge möchten wir an dieser Stelle noch hervorheben, zum einen NOLO – Magazin für freiwillige Selbstentgrenzung.

Was ist NOLO? Dazu Erich Mühsam 1902 in der anarchistischen Zeitschrift Der ar­me Teufel. Darin heißt es:

„Nolo will ich mich nennen – nolo: Ich will nicht! Nein, ich will in der Tat nicht! Nein, ich will nicht mehr all die unnötigen Leiden sehn, deren die Welt so übervoll ist; mich all den Torheiten fügen, die uns die Freude rauben und das Glück; in all den Ketten hängen, die unsere Füße hindern auszuschreiten und unsere Hände zuzugreifen. Ich will nicht mehr mit ansehen, wie ungerecht und chaotisch des Lebens höchste Güter – Kunst und Wissen, Arbeit und Genuss, Liebe und Erkenntnis – verstreut liegen. Ich will nicht mehr – nolo!“

 

 

 

Und zweitens war die Emanzipatorische Linke Mitherausgeberin des Buches „DAS SEID IHR HUNDE WERT! – Ein Lesebuch. Erschienen im Verbrecher Verlag.

Aus dem Klappentext:

„Es ist möglich, Leben und Werk Erich Mühsams zu trennen. Er war Bohemien, Dichter, Anarchist, Humorist, politischer Publizist, Dramatiker , bisexueller Erotomane, Revolutionär, selbst in größter Not unbeirrbarer Menschenfreund und schließlich eines der ersten prominenten Opfer der Nazis.“

 



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