Was ist und was macht die Emanzipatorische Linke Niedersachsen? Wer sind die Köpfe dahinter?

Ein kurzes Gespräch mit Siegfried Seidel, Mitglied im Koordinierungskreis Emanzipatorische Linke Niedersachsen sowie Mitglied im Bundeskoordinierungskreis. 

Moin Siggi

Moin Jörg

Siggi als Mitglied des Landeskokreis und des Bundeskokreis hast du bestimmt eine Menge zu tun.Wie sieht deine Arbeit konkret aus und was reizt dich an dieser anspruchsvollen Aufgabe?

Siggi:

Nun es gibt immer viel zu organisieren und koordinieren. Zurzeit sind wir dabei die Ema.Li Akademie 2018 in Leipzig (100 Jahre Bahnsteigkarten) vorzubereiten und planen drei neue Broschüren. Was reizt mich daran? Ideen für eine neue moderne linke Partei in die Diskussion einzubringen, ist einfach sehr spannend. Also politisch zuarbeiten und zu diskutieren anstatt personal Politik zu betreiben ist einfach Klasse. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in anderen Strömungen oft nur über Personal gesprochen wird und nicht über Inhalte, finde ich fatal.

DIE LINKE als Partei und die LAG Emanzipatorische Linke was bedeutet das für dich? Wie definierst du für dich, vor allem im Alltag, ein Linker sein?

Siggi:

DIE LINKE als Partei, nun ich bin eher der Meinung unsere Partei eine Sammlungsbewegung ist, die immer noch zu einer Partei zusammen wachsen muss. Ich finde den Begriff Mosaik-Linke immer noch sehr gut und treffend. Eine Konsequenz aus den Zeiten der SED und des Stalinismus ist, das die PDS und später DIE LINKE Strömungen, Plattformen und Flügel zulässt. Das ist ein hohes Gut. Die Ema.Li ist für mich die Strömung, die nach vorne Schaut, so werden z.B. der Begriff Arbeit, das BGE oder auch die Digitalisierung diskutiert. Alles Themen mit denen wir uns in der Zukunft beschäftigten müssen. Themen die in einer modernen sozialistischen Partei diskutiert werden muss. Wie definiere ich mich als Linken? Nun eintreten für soziale Gerechtigkeit, gegen jede Unterdrückung sein und damit die Gesellschaft zu emanzipieren. Also ich bin bei mir in der Firma und Betreibsrat bekannt dafür, das ich immer auf Unstimmigkeiten hinweise, sei es Homophobie, Antifeminsmus oder Ungerechtigkeiten. Das schafft nicht immer Freunde. Auch nicht der Antifaschismus ist nicht immer beliebt. Neulich habe ich erst mit einen AfD’ler im Publikum in der Bezirksratssitzung angelegt. Oft werde ich aber auch als Spinner gesehen, wenn ich von Arbeiter*innenselbstverwaltung, Selbstverwalteteten Betrieben , der solidarische Ökonomie oder dem BGE spreche. Allerdings hat meine BR-Vorsitzende neulich auf einer Sitzung gesagt mit dem BGE müssen wir mehr beschäftigen. Links wirkt also.

Welche Aufgabe haben die sogenannten „Strömungen“ aus deiner Sicht innerhalb der Partei.Wie siehst du da speziell die Ema.Li verordnet?

Siggi:

Die Strömungen haben eigentlich die Aufgabe politische Diskussionen innerhalb der LINKEN anzuregen, leider wird oft nur betrieben. Ich sehe die Ema.Li klar auf der linken Seite der Partei verordnet. Bei uns haben auch Anarchist*innen und Rätekommunist*innen ihren Platz. Wie sagte Doris Achelwilm aus Bremen einmal auf der Sommerkademie der SL: „Die Ema.Li ist das Bindeglied zwischen AKL und FdS.“ Das finde ich spannend.

R2G ein Thema das innerhalb der Linken, aber nicht nur dort, kontrovers diskutiert wird und oft auch polarisiert. Befürchtest du das R2G ja oder nein die Partei spalten könnte?

Siggi:

Nein, das denke ich erst mal nicht. Denn wir brauchen alle einander. Wie Katja Kipping einmal auf einen Landespartei in Hannover sagte, jede Strömung etc. steht auch für eine bestimmte Bevölkerungsschicht. Aber mal ehrlich, ohne die SPD und Bündnis ’90/Die Grünen können wir doch nichts bewegen. Aber wollen wir zurzeit mit diesen beiden Parteien überhaupt zusammen arbeiten, sie müssen sich beide vom Neoliberalismus lösen, sonst wird das mit R2G nichts auf Bundesebene. Ich selber bin ein großer Freund von wechselnden Mehrheiten und Minderheitsregierungen. Diese sind in den Skandinavischen Ländern, den Niederlanden oder Kanada schon lange Taxe. Und es funktioniert. Warum sollen wir nicht alle progressiven Dinge unterstützen und für alles andere sollen sie sich doch andere Mehrheiten suchen.

Im Saarland Stimmenverluste für DIE LINKE, in Schleswig-Holstein und in NRW den Einzug in den Landtag wenn auch knapp, verpasst. Gleichzeitig Stimmenzuwachs für das konservative Lager und die AFD zieht weiter in die Landesparlamente ein. Wie kann man diesen Trend stoppen?

Siggi:

Gute Frage, wir müssen einen klaren linken Wahlkampf machen für soziale Gerechtigkeit etc. Wir müssen versuchen, bzw. die verbliebenen linken in der SPD und den Grünen müssen versuchen ihre Parteien wieder nach links zudrücken. Soweit wir das von außen können sollten wir ihnen dabei helfen. Zum anderen dürfen wir nicht dulden, dass autoritäre Strukturen wieder Einzug in DIE LINKE halten. Wir müssen für Geflüchtete da sein und nicht von Obergrenzen reden. Ebenfalls dürfen wir den Europa Gedanken nicht aufgeben, denn Nationalismus ist keine Lösung. Die EU muss natürlich reformiert werden, das steht außer Frage. Wir müssen die AfD an allen Stellen bloßstellen.

Stichwort Landesparlamente: In Niedersachsen kämpft die Linke um den Wiedereinzug in den Landtag. Wie siehst die Chancen und bei welchen Themenfeldern müsste der Landesverband besondere Anstrengungen unternehmen oder Schwerpunkte setzen?

Siggi:

Wir müssen glasklar die soziale Frage stellen, sozialer Wohnungsbau für alle Menschen in unseren Lande. Dann dürfen wir nicht vergessen die Emanzipation aller unterdrücktem Menschen durch zusetzen. Das bedeutet gleicher Lohn für Männer wie für Frauen. Beruf und Familie müssen einander bedingen. Als Grundlage sollte uns die „Vier in Einem“-Perspektive von Frigga Haug dienen. Wahlrecht für alle hier lebenden Menschen, und damit sind wir schon bei den Bürger*innenrechten. Wir müssen auf die Landesregierung einwirken, das mehr direkte Demokratie in Niedersachsen durch gesetzt wird, da gibt es noch große Difiziete. Auch Projekte die für die Zukunft im hier und jetzt voran treiben sind sehr wichtig. D.h. Betriebe die die solidarische Ökonomie vorantragen sind föderungswert. Ach so und natürlich muss der ÖPNV und der Fernverkehr ausgebaut werden. Niedersachsen soll Modellprojekte für den Fahrscheinlosen ÖPNV in Angriff nehmen. Elektro- und Hybrid Busse müssen flächendeckend gefördert werden.

Du hast dich entschlossen ebenfalls für die Landesliste zu kandidieren. Was waren bzw. sind deine Beweggründe?

Siggi:

Nun wir leben in Zeiten eines gesellschaftlichen Rollbacks. Autoritäre Strukturen sind wieder auf dem Vormarsch. Nationalismus, Neofaschismus, Rassismus, Antisemitismus und Krieg sind wieder gesellschaftsfähig. Feministische, soziale und ökologische Errungenschaften sind dadurch deutlich in Frage gestellt. Um dies zu ändern trete ich als Kandidat für einen Platz auf der Liste zur Landtagswahl an.

Im Falle einer Wahl in der Landtag, wo würdest du für dich persönlich die Schwerpunkte setzen in der täglichen parlamentarischen Arbeit?

Meine Themenfelder habe ich schon skizziert.

Was fällt dir spontan ein zu Marx?

Marx is Muss. Marx ist heutzutage so aktuell wie lange nicht mehr. Wir sollten vielmehr Marx lesen.

Zu Feminismus?

Jeder Mann sollte Feminist sein. Die Emanzipation der Frau ist auch die Emanzipation des Mannes.

Zu sozialer Gerechtigkeit ?

Soziale Gerechtigkeit auf allen Ebenen. Weg mit Hartz IV. Her mit dem BGE.

Zu Macht?

Keine Macht für Niemand. Macht ohne Herrschaft. Selbstorganisation und Selbstverwaltung.

Zu Merkel?

Nicht viel.

Zur Farbe Rot?

Meine Lieblingsfarbe und die Farbe der LINKEN, des Sozialismus und Kommunismus und vor allem der Liebe.

Zu Niedersachsen?

Braunschweig, meine Geburtsstadt. Hannover, da wo ich lebe. Ostfriesland, immer schöne Urlaube mit meiner Familie. Der Harz, Urlaub mit meinen Eltern, das Wendland: Atomklo Deutschlands und schöne Zelturlaube mit meinen Sohn. Hildesheim, Wolfsburg und Salzgitter da wohnen Verwandte.

Agrarland, Windräder…..der nicht ganz so hohe Norden…ach Niedersachsen ist einfach schön.

Danke für das Gespräch Siggi


2 Kommentare on “Was ist und was macht die Emanzipatorische Linke Niedersachsen? Wer sind die Köpfe dahinter?”

  1. […] Hier geht es zum ersten Teil: Was ist und was macht die Emanzipatorische Linke Niedersachsen? Wer sind die Köpfe dahinter? […]

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